Vor 25 Jahren: 2001 im Rückspiegel

Vorwort

2001 – gemeint ist nicht der SciFi-Filmklassiker aus dem Jahr 1968, sondern wir befinden uns im ersten Jahr des 21. Jahrhunderts und des 3. Jahrtausends christlicher Zeitrechnung. Aber nicht nur kalendarisch, sondern vor allem weltpolitisch wird dieses Jahr zur Zäsur. Nach dem 11. September wird die Welt eine andere sein. Die nach 1989 aufkeimende Utopie vom Ende der Geschichte – ein globales sich Durchsetzen von Demokratie, Liberalismus und Marktwirtschaft und ein damit einhergehendes friedliches Zusammenleben – erweist sich spätestens zu diesem Zeitpunkt als Illusion.

Ebenfalls verabschieden mussten sich die Deutschen zum Jahresende von der D-Mark und dem Pfennig. Und auch für hiesige Eisenbahnfreunde gab es eine Menge Neuigkeiten: Sowohl in Form von Abschieden, vor allem im Juni, als auch in Gestalt zahlreicher neuer Baureihen, die unterschiedlich langlebig waren bzw. immer noch sind.

Wir befinden uns in der Hochphase der Mehdorn’schen Kahlschlagära. Unter den Folgen leidet das 25 Jahre später weitgehend kollabierte System Eisenbahn in der BRD auf unbestimmte Zeit. Immerhin hatte der Staat im Vergleich zu heute noch eine halbwegs seriöse Fiskal- und Energiepolitik und die Staatsquote hatte sich noch nicht systemschädigend ausgeweitet.

Im (Privat-)Fernsehen boomen die ersten Casting- und Gerichtssendungen, welche den Talkshows allmählich den Rang ablaufen. Doch bei Wetten, dass..? (ZDF) versammelt Thomas Gottschalk die Familien noch mehrheitlich am Fernsehlagerfeuer. Zum Lachen muss man noch nicht in den Keller gehen, denn Michael Herbigs Kinohit Der Schuh des Manitu schämt sich – im Gegensatz zu seinem Sequel von 2025 – nicht für das, was er ist: Leichte Unterhaltung ohne Moralinsäure.

Ein bisschen Kontext zu meinem Fotohobby im Jahr 2001: Es war das erste Jahr, in dem ich durchweg mit einer Spiegelreflexkamera fotografierte. Insofern ist es qualitativ eine deutliche Verbesserung zum Vorjahr. Allerdings belichtete ich durchgängig Negativfilme und der Sonnenstand spielte bei der Standortwahl oft noch keine Rolle. Im Rahmen der Digitalisierung konnte ich aber auch aus mancher Gegenlichtaufnahme noch einiges an Struktur herauskitzeln, sodass mir einige dieser Aufnahmen heute mehr gefallen, als „die 100.000ste 0815-Sonne-im-Rücken-Zug-schräg-von-vorn-Belichtung“. Überproportional vertreten sind die Heimatbahnhöfe, allen voran Chemnitz Hbf. 2001 kam man vergleichsweise wenig herum. Und dennoch hält sich der Eindruck, dass man auch vor der Haustür viel zu wenig fotografiert hat. Aber in der Pubertät hat man ja auch noch anderes zu tun …

Januar

Zeitgeschehen:

  • 01.01.: Griechenland wird Mitglied der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Mit diesem Schritt wird auch die griechische Währung, Drachme, in einem Jahr durch den Euro ersetzt.
  • 02.01.: Die Bundeswehr beginnt mit der Grundausbildung von Frauen an der Waffe. Bisher war ihnen nur der so genannte „eingeschränkte Dienst“ möglich.
  • 09.01.: Der Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke und die Gesundheitsministerin Andrea Fischer treten wegen der BSE-Krise zurück.
  • 30.01.: Der sächsische Finanzminister Georg Milbradt wird vom Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf entlassen. Nachfolger wird Lothar de Maizière.
[1] Alles Neue ist zunächst interessant und dokumentierenswert. So auch die ersten 612er, die seit November 2000 vereinzelt im RE-Verkehr zwischen Leipzig und Chemnitz auftauchten. Allerdings blieben die Regioswinger in Chemnitz zunächst eine Eintagsfliege. 2002 kehren sie dann zurück, um zu bleiben.
[2] Auf die Idee, zielgerichtet die BR 143 zu fotografieren, bin ich 2001 noch lange nicht gekommen. Sie war in allen Farbgebungen noch Massenware auf den KBS 510 und 520. Und mich interessierten Elloks und Hauptstrecken seinerzeit eher wenig. Somit entstand nur das ein oder andere Bild als Beifang, beispielsweise beim Warten an der geschlossenen Schranke in Chemnitz-Furth, wo in Höhe der Glösaer Straße die 1999 stillgelegte Verbindung zum Rangierbahnhof abzweigte. Eine aufgrund der verschmutzten Nummernschilder nicht identifizierbare 143 rollt mit einem SE 45 in Richtung Mittweida.
[3] Der Neubau der Chemnitzer Straßenbahnlinie 4 entlang der Stollberger Straße zwischen der Straße Usti nad Labem und dem Goetheplatz kam ins Rollen. Nahe der Irkutsker Straße war man zum Jahresanfang noch mit Tiefbau und Straßenverlegung beschäftigt. Der ÖPNV bestand aus der Buslinie 46. Der abgebildete 229 war der erste Citaro der CVAG. Die markanten gelben Radkappen sind geschickt getarnt.
[4] Der Blick auf den stillgelegten Ablaufberg in Chemnitz-Hilbersdorf. Die ersten Gleise sind im Sommer 2000 abgebaut worden. Da sie noch relativ jung waren, sollen sie zwischen Schwarzenberg und Johanngeorgenstadt wiederverwendet worden sein. Ein RE 3 von Zwickau nach Dresden fährt vorbei. Zum Fahrplanwechsel werden die aus By-Wagen gebildeten RE durch aus Doppelstockwagen gebildete IRE ersetzt werden.

Februar

Zeitgeschehen:

  • Die erste Staffel der deutschen Variante einer Castingshow, Popstars (RTL II), bringt die Girlband No Angels hervor. Deren Debütsingle Daylight in Your Eyes erreicht in Deutschland und einigen anderen Ländern die Chartspitze und wird zur meistverkauften des Jahres.

Bahn-Nachrichten:

  • Die Finanzierung des umstrittenen Bahnhofsprojektes „Stuttgart 21“, das den Neubau eines unterirdischen Durchgangsbahnhofs und die Neubaustrecke Wendlingen – Ulm vorsieht, ist nach jahrelangen Verhandlungen gesichert. Acht Milliarden DM soll es kosten (= 4,1 Mrd. Euro). Konnte man es ahnen? Bis Mitte 2024 werden die Gesamtkosten bereits auf 11,4 Mrd. Euro angewachsen sein.
  • 16.02.: Nach einem erlittenen Brandschaden in Gera-Röppisch wird die jüngste 119, 219 200-3, vorzeitig im Werk Gera z-gestellt.
  • 18.02.: Die DB-Museumslok E 44 119 bespannt kurz vor Fristablauf reguläre Regionalbahnen zwischen Lichtenfels und Sonneberg (Thür). Die BSW-Gruppe Lichtenfels hatte dies organisiert und sogar stilechte Silberlinge als Zuggarnitur ordern können.
  • Ab 19.02. werden die Diesel-ICE der BR 605 im „verschärften Betriebseinsatz“ erprobt.
[5] In Görlitz waren die letzten Vertreter der V 100-Variante 202 (vormals BR 112) konzentriert und fanden bis ins 3. Quartal noch Beschäftigung. 202 374 war am trüben 19. Februar mit einer Regionalbahn von Bautzen nach Bad Schandau im Bf Großpostwitz zum Halten gekommen. Vater beobachtet die Szenerie vom Hausbahnsteig aus.
[6] Im Bf Bad Schandau erinnerte noch vieles an die späte (D)DR-Zeit. Die Bahnmeisterei nutzte u. a. noch einen SKL 25 der Bauart Schöneweide.
[7] Bereits zum Herbst 2000 hatte die neue Baureihe 642 die mit 202 bespannten Züge auf der Müglitztalbahn abgelöst. Im Bf Dohna ist ein solcher Desiro auf dem Weg von Heidenau nach Kurort Altenberg. Das mehrmals erweiterte Empfangsgebäude stammt noch aus der Schmalspurbahnzeit.
[8] Dohna gehört zu den ältesten Produktionsstandorten von Flusssäure in Europa. Die Fluorchemie betrieb in Höhe des früheren Schmalspurbahnhofs Köttewitz eine Anschlussbahn. Während der Zweiwege-Unimog Kesselwagen rangiert, steht 298 047 mit der Übergabe in Richtung Heidenau bereit.
[9] Der Blick vom „Kommandoturm“: Eine 234 rollt mit IR 1660 (Dresden – Nürnberg) in Chemnitz Hbf ein. Ermöglicht wurde dieser Blick durch eine Exkursion der Chemnitzer Parkeisenbahn. Die Führung über den Hbf war in den Winterferien fester Bestandteil des Programms.
[10] Beim Gang in Richtung Stellwerk 5 gelang eine Aufnahme der in Höhe Reichsbahnamt abgestellten Stendaler 218 152. Über den Grund ihres Aufenthaltes kann nur spekuliert werden. Möglicherweise hängt es mit Schulungsfahrten auf der KBS 525 zusammen, siehe April.
[11] Der Bf Schlettau an der Linie Annaberg-Buchholz Süd – Schwarzenberg (BSg) liegt seit gut drei Jahren im Dornröschenschlaf. Eine Übernahme / Pacht der Strecke durch DRE / VSE kommt nicht zustande. Im Laufe des Jahres zeichnet sich jedoch eine neue Perspektive ab, siehe Meldungen im September.

März

Zeitgeschehen & Bahn-Nachrichten:

  • 16.03.: Die deutschsprachige Wikipedia wird gegründet. 
  • 23.03.: Die russische Raumstation Mir verglüht beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Es ist das planmäßige Ende ihrer 15-jährigen Präsenz im Orbit der Erde.
  • 30.03.: Die Verfassungsorgane Deutscher Bundestag und Bundesrat stellen jeweils beim Bundesverfassungsgericht einen Antrag auf Verbot der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD). Zur Feststellung der Verfassungswidrigkeit wegen rechtsextremer Betätigung stellte die Bundesregierung bereits vor zwei Monaten ihren eigenen Antrag auf ein Verbot der NPD.
  • Die DB bestellt bei Bombardier in Görlitz 117 weitere Doppelstockwagen für den Nahverkehr. Insgesamt wächst die Zahl der seit 1996 beschafften Exemplare damit auf 700 Stück an.
[12] Die Zschopaubrücke im Bf Flöha hat ausgedient. Im Hintergrund steht bereits der Ersatz in Form einer Stabbogenbrücke. Jahre später wird anstelle der alten Bahnbrücke für die Flöhaer Ortsumgehung eine neue Straßenbrücke errichtet.
[13] Der Blick von der anderen Seite auf das neue Bauwerk in Richtung Niederwiesa. Die verschwenkten Gleise werden gerade eingeschottert. Zum Einsatz kommt eine Taigatrommel der ITL.

April

Bahn-Nachrichten:

  • BSE und die ausgebrochene Maul- und Klauenseuche sind für die DB Anlass, keine Tiertransporte mehr auf der Schiene anzubieten.
  • Zwischen Jüterbog und Dessau nimmt die DB den Testbetrieb für das europäische Zugsicherungssystem ETCS/ERTMS auf.
  • 07.04.: Fotofahrt, organisiert von Olaf Martin, mit 254 056 und 52 8154 sowie 20 Falns-165 zwischen Leipzig-Plagwitz, Altenburg und Zwickau. Anlass ist der Fristablauf der DB-Museumsellok. Einen Tag später kommt das Eisenschwein noch einmal in den Bayerischen Bf zu Leipzig.
  • 09.04.: Abholung von 52 8068 in Olbernhau-Grünthal
  • 23.04.: Die BR 605 übernimmt als vorbereitende Maßnahme einzelne IR-Leistungen zwischen Nürnberg und Dresden.
  • 26.-30.04.: Durchführung von Belehrungs- und Abnahmefahrten für zukünftige Dampflokomotivführer zwischen Zwickau und Johanngeorgenstadt mit 50 3501 und 52 8154 (vor Güterwagen) im Auftrag der EBB Pressnitztalbahn mbH, siehe auch RioGrande Video-Express, Ausgabe 47.
  • 26.04.: Unterzeichnung des Vorvertrages zur Ausgliederung des Regionalnetzes Erzgebirge aus der DB AG, die Geburtsstunde von DB Erzgebirgsbahn.
[14] Am 1. April, ein Sonntag, traute ich mich in Chemnitz-Furth auf die Anlagen des Betriebsteils Glösaer Straße, um die abgestellten 202 651 (mit Vorbau der 202 416 auf der Heizkesselseite), 202 743 und 202 625 auf Film zu bannen. Sie werden am 25. Oktober nach Stendal abtransportiert.
[15] Für die Strecke Roßwein – Hainichen, die bereits im April 1998 vom Reiseverkehr befreit wurde, schlug nun bald das letzte Stündlein. Am Ostersonntag (15.04.) kamen EMBB und VSE mit einem gemeinsamen Sonderreisezug noch einmal ins Striegistal. In Berbersdorf tauschen 52 8154 und 50 3616 die Seiten.
[16] In Chemnitz-Altendorf lag am 20. April noch das Gleis zur ehemaligen Culemeyerrampe. Bis 1982 wurden hier Kesselwagen auf Straßenroller verladen, um zu Betrieben in der Innenstadt zu gelangen. Im Herbst wird der Gleisabbau erfolgen.
[17] Diese Aufnahme soll an die kurze Zeit des geschobenen IR 2274 Chemnitz – Rostock erinnern. Links rollt ein 628.4 in Richtung Flöha.
[18] In die Gegenrichtung geblickt, erreicht ein mit 218 272 bespannter RE aus Leipzig den Chemnitzer Hbf. Offenbar griff man für Schulungsfahrten auf Stendaler Maschinen zurück.
[19] Im Bf Hohenstein-Ernstthal konnten die Gütergleise noch zur Verladung von Baustoffen genutzt werden. 120 005 der ITL hält Wochenendruhe (22.04.).
[20] Das 10. Dresdner Dampflokfest fand am letzten Aprilwochenende statt. Im Rundhaus nahe der Nossener Brücke haben 03 1010, 01 519, 50 3648, 50 3708 und 35 1113 Aufstellung genommen. Abgesehen von der 35 standen alle unter Dampf.
[21] Damit sich die 35 1113 bewegt, stand 204 282 hinter ihr. Meinem damaligen Faible für V 100 kam das sehr entgegen.
[22] Ein weiteres Highlight war für mich die Begegnung mit 24 083 der Dampfzug-Betriebs-Gemeinschaft e.V. aus Loburg. Es blieb meine einzige Begegnung mit einem Steppenpferd unter Dampf. Auch 01 1102 sah ich dort zum ersten und bisher letzten Mal, unter Dampf.

Mai

Zeitgeschehen & Bahn-Nachrichten:

  • 01.05.: DB Regio wird umstrukturiert: Viele Aufgaben der Regio-Zentrale Frankfurt werden auf kleinere Regionalleitungen übertragen.
  • 02.05.: Das neu errichtete Bundeskanzleramt wird offiziell eröffnet.
  • In Eschede wird drei Jahre nach dem schweren Zugunglück eine Gedenkstätte eingeweiht, die an die 101 Todesopfer erinnert.
  • Die ersten sieben Lokomotiven der BR 146 treffen im Werk Ludwigshafen ein.
[23] Der VSE organisierte am ersten Maiwochenende eine Fotodampf-Aktion im Vogtland. Die frisch mit einem Oberflächenvorwärmer versehene 50 3501 des Dampflokwerks Meiningen fuhr in Anlehnung an ihre „Vor-Reko-Bezeichnung“ 50 380 als 50 1380-0. Wir sehen die getürkte Altbau-50 mit ihrem Scheingüterzug auf dem Weg nach Bad Brambach beim Betriebshalt in Weischlitz (06.05.).
[24] Auf der S2 Leipzig-Plagwitz – Gaschwitz kamen die LVT der BR 772 zum Einsatz. 772 146 wartet in Plagwitz am 20. Mai auf Reisende.
Wochentags gab es im Berufsverkehr einen 20-Minuten-Takt.
[25] Im Werk Leipzig Hbf Süd haben sich am 20. Mai einige Fahrzeuge am Rundschuppen eingefunden, v.l.n.r.: 234 335, 708 331, 232 287, die soeben eingetroffene 219 035 und 232 376. Heute ist an dieser Stelle eine planierte Freifläche.
[26] Ein Blick in die Werkstatt in Leipzig Süd: 772 342 steht die Umlackierung in verkehrsrot bevor, im November. (20.05.)
[27] Viele Fotografen waren angetan von der Vielfalt an Werbeloks der Baureihe 101. Im Leipziger Hbf steht so ein Exemplar in Form von 101 080, die erste von insgesamt sieben Aspirin-101, mit einem Intercity abfahrbereit. Unter www.bayerlok.de konnte man die Einsätze der Aspirin- und der blauen Bayer-Werbeloks nachverfolgen1 – damals ein Novum.
Im Berichtsjahr lief die Umlackierung der IC-Wagen in das vereinfachte ICE-Design auf Hochtouren. Während der erste Waggon noch die alte Variante trägt, sind die folgenden Wagen bereits umgespritzt worden. Der Stern der links in Form von 219 048 abgebildeten U-Boote sank hingegen rapide.
[28] Christi Himmelfahrt fiel auf den 24. Mai, an welchem das SEM eine Sonderfahrt nach Holzhau anbot. Die im Vormonat frisch hauptuntersucht aus Meiningen zurückgekehrte 50 3648 steht am Bahnsteig 14 in Chemnitz Hbf abfahrbereit. Es war der erste Einsatz mit der für mehrere Jahre aus Belzig geliehenen Bag-Garnitur.
[29] Als ein unbekannter 628.4 am 25. Mai von Hainichen nach Chemnitz über das Braunsdorfer Viadukt rollt, waren die Tage dieser Baureihe auf der Strecke bereits gezählt. Ab 10. Juni wird für dreieinhalb Jahre auf SEV umgestellt, um die Strecke zu sanieren.
[30] Freie Presse (Flöhaer Zeitung) vom 15.03.2001
[31] Ein Jahr nach der Premiere wurde das zweite Böhmisch-Sächsische Eisenbahnfestival zum letzten Maiwochenende erneut aufgelegt. Wieder kam 464.202 mit einem Sonderzug zum Einsatz. Diesmal allerdings nicht mehr bis/ab Annaberg-Buchholz unt Bf, sondern Cranzahl. Kurz hinter Cranzahl wird in Höhe Sehma der unbeschrankte BÜ Richterstraße gekreuzt.
[32] Eine Neuerung im Vergleich zum Vorjahr war auch der Einsatz der jüngst von der BVO Bahn übernommenen 716.522 (LEW 16996). Diese V 60 D war 1981 direkt in die ČSSR geliefert worden. Nachdem sie den Sonderzug von 464.202 bis Vejprty nachschob, fuhr sie mit zwei Y-Wagen zurück nach Cranzahl. Die Aufnahme entstand in Höhe Sehma nahe des BÜ Bärensteiner Straße.

Siehe auch: RioGrande Video-Express, Ausgabe 48

Juni

Bahn-Nachrichten:

  • 02.06.: 50 3648 bespannt einen Sonderzug anlässlich 125 Jahre Eisenbahnstrecke Werdau – Wünschendorf. Allerdings kann der Zug davon nur noch Teilabschnitte via Wismut-Werkbahn befahren.
  • Ebenfalls am 02.06. wird der 100. Geburtstag des Bf Dresden-Neustadt gefeiert. Die Renovierung der Bahnhofshalle konnte rechtzeitig abgeschlossen werden.
  • 28.06.: Das Eisenbahn- und Heimatbuch Original Crottendorfer Eisenbahn-Geschichten über die Nebenbahn (Schlettau -) Walthersdorf – Crottendorf ob Bf erscheint. Im Crottendorfer Gasthof Zur Glashütte erfolgt eine Buchvorstellung am ersten Tag der sächsischen Sommerferien. Bald darauf arbeiten Autor Siegfried Bergelt und Bildverlag Böttger GbR schon am nächsten Buch über die Zschopautalbahn.
[33] Freie Presse (Annaberger Zeitung) vom 06.07.2001 (li.) und Buchcover

Großer Fahrplanwechsel am 09./10. Juni

Zum letzten Mal fällt ein großer Fahrplanwechsel auf den Spätfrühling, allerdings um 14 Tage später als bis dato üblich. Er bringt u. a. im Raum Chemnitz / Erzgebirge zahlreiche Veränderungen mit sich. Auf folgenden Linien endet der SPNV in bisheriger Form:

  • Niederwiesa – Hainichen (Frankenberg wird bis Jahresende weiter von Cargo bedient)
  • St. Egidien – Stollberg (Sachs)
  • Chemnitz Süd – Stollberg (Sachs)

Diese drei Strecken werden in der Folgezeit umfassend saniert und anschließend von der City-Bahn Chemnitz betrieben.

  • (Pockau-Lengefeld -) Olbernhau-Grünthal – Neuhausen (Erzgeb)

Nach Neuhausen wird der SPNV nie wieder aufgenommen, ebenso ergeht es z. B. den Strecken Bad Salzungen – Vacha und Kalbe (Milde) – Hohenwulsch.

[34] Freie Presse-Artikel zum Fahrplanwechsel mit Schwerpunkt auf den Verschlechterungen auf der Muldentalbahn (siehe auch [59] und Titelbild des Beitrages)

Bundesweit werden zahlreiche Interregio-Linien großteils ersatzlos gestrichen oder durch die neue Nahverkehrszuggattung Interregio-Express (IRE) ersetzt. Im Grunde nur ein anderer Name für Regionalexpress. So verliert zum Beispiel Gera seine IR-Anbindung. Die unter anderem auf der KBS 510 verwendete Zuggattung Stadt-Express (SE) verschwindet und wird durch RB oder RE ersetzt.

DB Regio verliert mehrere Strecken an private Betreiber, z. B. die Süd-Thüringen-Bahn und die Oberpfalzbahn.

Auch im Fahrzeugeinsatz ergeben sich einige Änderungen, u. a. die Verdrängung der BR 219 durch die BR 218 zwischen Leipzig und Chemnitz. Die BR 232 verabschiedet sich vom Reiseverkehr in Thüringen und die BR 143 wird nicht mehr im Güterverkehr eingesetzt. Die erst acht Jahre junge BR 229 (Werk Erfurt) wird arbeitslos. Eines der letzten Aufgabengebiete war der ebenfalls scheidende IR Rennsteig. Im Nahverkehr erobern die neuen Baureihen 612 und 642 zahlreiche Strecken und verdrängen diesellokbespannte Züge. Die DB löst bei Bombardier die Option für 90 weitere 612 ein.

[35] Nur acht bis neun Jahre nach dem Umbau wird die BR 229 abgestellt: Drei der zwanzig Maschinen erhielten zwar 1999/2000 noch eine HU in Chemnitz, sie werden jedoch Mitte 2001 ebenso aus dem Verkehr gezogen. Eine von ihnen ist die verkehrsrote 229 120, die zwar bald bei der DB-Tochter MEG eine neue Aufgabe finden wird, was aber für die meisten ihrer Schwestern nicht gilt. Ebenso auf der Streichliste steht zum 9. Juni der IR 2403 Rennsteig (Erfurt – Stuttgart), der hier in Oberhof (Thür) hält. (Foto vom 08.04.2001 / Ronny Meyer)
[36] Der Bayerische Bahnhof in Leipzig wird (in seiner bisherigen Form als Kopfbahnhof) aufgegeben. Zuletzt steuerte ihn die Linie RB 130 von Altenburg her an. 143 355 zog die letzte RB aus dem bereits völlig verkrauteten Bahnhof. Foto: 143 831 mit RB 27755 nach Zwickau Hbf am 08.05.2001 / Ronny Meyer)
[37] Plandampf zum Abschied: Vor der Elektrifizierung der Strecke Stollberg (Sachs) – Abzw Altchemnitz (KBS 522) gab es am 3. Juni einen dampflokbespannten Umlauf zwischen Chemnitz Hbf und Stollberg. 50 3648 erreicht mit der Belziger Bag-Garnitur bei wechselhaftem Wetter den Bf Neukirchen-Klaffenbach auf dem Weg nach Chemnitz. Halbherzig gerupfte Nebengleise waren weit verbreitet.
[38] Nach mehrjähriger Verzögerung war es am 10. Juni offiziell soweit: Die Linie ICE 17 (später ICE 65) Dresden – Nürnberg, betrieben mit der BR 605 (ICE TD), wird offiziell eröffnet und löst die lokbespannten Interregios ab. Während der mit Prominenz (Bahnchef Mehdorn, Sachsens Ministerpräsident Biedenkopf etc.) beladene ICE 1568 Richard Hartmann nach Nürnberg mit ca. 40 min Verspätung eintreffen wird, verlässt der Gegenzug ICE 1565 Georgius Agricola am Eröffnungstag mit „nur“ sechs Minuten Verspätung Chemnitz Hbf gen Dresden. Wie die Zeit zeigte, sollte es eine glücklose Episode bleiben. Gut zwei Jahre später werden die 605 schon wieder weg sein.

Siehe auch: RioGrande Video-Express, Ausgabe 48

[39] Ebenfalls am 10. Juni war 219 046 in Chemnitz Hbf zugegen. Die in Leipzig Süd beheimatete, letzte aktive 219 im alten DR-Farbkleid überstand den Fahrplanwechsel nur knapp. Bereits zwei Tage später wird sie abgestellt, zum Monatsende ausgemustert und wenig später in Espenhain verschrottet sein.
[40] Die 1992/93 in Bautzen zu T3D-M modernisierten Chemnitzer Tatra-Straßenbahnen waren noch voll im Einsatz. Ein Großzug aus 497 + 498 + 749 quert die Hans-Sachs-Straße auf dem Weg nach Gablenz.
[41] Alltag im Chemnitzer Südbahnhof, wo offenbar dem Wildwuchs im Gleisbereich kurz zuvor chemisch etwas Einhalt geboten worden ist. 118 003 der ITL parkt am ehemaligen Lokschuppen der CAAE. 298 071 hängt am Schluss einer langen Übergabe in Richtung Hbf.
[42] 50 3648 weilte am 23. Juni zu Führerstandsmitfahrten im Bf Erdmannsdorf-Augustusburg. Anlass war der 90. Geburtstag der Augustusburger Drahtseilbahn, deren Talstation sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Bf bedindet.
[43] Während die BR 202 bei DB Regio kurz vor dem endgültigen Aus stand, erhielten 204 und 298 für DB Cargo noch Hauptuntersuchungen. Allerdings endete dies bei der BR 204 im Mai des Berichtsjahres. Als letzte erhielten im AW Stendal 204 805 und 204 641 am 15./18. Mai eine IS 703. Auch 204 803 war mit dem Revisionsdatum 06.02.2001 noch recht frisch und glänzt am 24. Juni in Chemnitz Hbf noch wie Speckschwarte.
[44] Die noch voll im Unterhaltungsbestand befindliche BR 298 war inzwischen Aufgabe des AW Chemnitz. 2001 verloren die letzten 298 ihr oranges Farbkleid. So auch 298 079, die am 23. Juni am Dresdner Platz in Chemnitz Hbf auf die Überstellung ins Ausbesserungswerk wartet. Der 628 bricht derweil in Richtung Aue auf.
[45] Die Zugzielanzeige an 628 596 und am Bahnsteig in Flöha trügt, denn ab Wolkenstein ist bereis seit 13 Monaten Busverkehr angesagt (28.06.).
[46] Eine lange Übergabe von Chemnitz Süd nach Zwickau steht am 28. Juni um die Mittagszeit in Chemnitz Hbf.

Juli

Zeitgeschehen & Bahn-Nachrichten:

  • 05.07.: Gründung der Regio Infra Service Sachsen GmbH (RIS) zum Zweck der Infrastrukturgestellung Chemnitzer Modell
  • 12.07.: Die erste 182 (Taurus) trifft im Werk Nürnberg Rbf ein.
  • 13.07.: Der deutsche Spielfilm Der Schuh des Manitu feiert Premiere, Kinostart ist der 19.07. Mit 11,7 Millionen Besuchern in den Kinos wird er einer der erfolgreichsten deutschen Filme der Nachkriegszeit.
  • Das Werk / der Bh Chemnitz (vormals Bw Chemnitz, BT Glösaer Straße) wird aufgelöst. Die Lokbeheimatung, zuletzt eine Hand voll 219er, ist zu Ende. Die Werkstatt bleibt vorerst bestehen.
  • Auch die Stationierung von Reisezugwagen (Bww) in Chemnitz wird aufgegeben.
[47] 234 467 stand am 1. Juli mit einem mutmaßlich defekten 605 am Bahnsteig 11 in Chemnitz Hbf.
[48] Eine AW-Probefahrt am Bahnsteig 3: Leider habe ich nur der 298 124 Beachtung, und ein Foto, geschenkt. Nicht ahnend, dass dahinter mit 219 158 etwas Besonder(er)es hängt (04.07.).
[49] 232 206 war am 14. Juli in Limbach (Vogtl) mit einem äußerst kurzen Milchzug unterwegs. Sie hatte die beiden Wagen in Reichenbach (Vogtl) ob Bf von 155 001 übernommen.
[50] Eine Festwoche würdigte das Jubiläum 150 Jahre Göltzschtalbrücke / Elstertalbrücke. Ein Komitee unter Federführung von Volker Jacobi stellte ein Festprogramm auf die Beine, mit zahlreichen Dampfsonderzügen. Für eine Lokausstellung wurden bereits stillgelegte Anlagen des oberen Bf in Reichenbach (Südseite) letztmalig genutzt. Auf den westseitig bereits gekappten Bahnsteiggleisen sind u. a. 50 849 und 75 515 ausgestellt.
[51] Nachdem die Kesselfrist am 30. April abgelaufen war, stand die 99 Jahre alte 89 6009 bereits am 14. Juli in Reichenbach (Vogtl) ob Bf wieder für Führerstandsmitfahrten zur Verfügung. In Dresden-Altstadt wurden zuvor u. a. 132 Heizrohre ausgewechselt.
[52] Bereits Mitte 2000 hatte die BR 642 die 628.4 zwischen Zwickau und Johanngeorgenstadt abgelöst. Am 16. Juli rollte ein 642 gen Zwickau in Aue ein. Noch ist die Strecke ab Schwarzenberg durchgehend zweigleisig, was sich bald ändern wird. Das rechte Gleis ist die stillgelegte Strecke nach Adorf (Vogtl), welche noch bis Wolfsgrün lag.
[53] Nur wenig hat sich über die Jahrzehnte in der Fußgängerzone von Bad Doberan verändert. Wie eh und je rollte der Molli hindurch.

August

Bahn-Nachrichten:

  • 02.08.: In Stuttgart wird der 1000. Neubau-Doppelstockwagen aus dem Bombardier-Werk Görlitz mit einem Festakt an die DB übergeben.
  • 03.08.: Der seit Jahren in Wilkau-Haßlau abgestellte Eichzug (ehem. Bw Reichenbach) wird mit 118 770 und E 42 001 (Bremslok) nach Glauchau überführt. (Er gelangt bald darauf in das SEM, wo er 2011 verschrottet wird.)
  • 15.08.: Der DB-Konkurrent Connex bietet der DB die Übernahme des IR-Verkehrs samt Fahrzeugmaterial an.
[54] Ein Sprung in den S-Bahn-Betriebshof München-Steinhausen, seinerzeit Arbeitsplatz von RMC. Der am 14. Februar ausgemusterte 420 001/501 wird als Museumsfahrzeug erhalten bleiben.
[55] Die wegen Oberbaumängeln eingekürzte Zschopautalbahn: 628 575 erreicht den Hp Warmbad (früher: Floßplatz) auf dem Weg nach Wolkenstein (12.08.). Der Oberbau spricht Bände über den Zustand der Nebenbahnen im Westerzgebirge. Doch hinter den Kulissen arbeitet man bereits am DB RegioNetz Erzgebirgsbahn, um die Eisenbahn zukunftssicher zu machen.
[56] Zum Fahrplanwechsel am 10. Juni haben die By-Wendezüge ihr Einsatzgebiet beim RE-Verkehr Dresden – Zwickau (Umstellung auf IRE mit Doppelstockwagen) verloren. Stattdessen sind solche Wagen seither planmäßig zwischen Chemnitz und Riesa im Einsatz. (RB nach Riesa in Chemnitz-Kinderwaldstätte)
[57] Die in Dresden-Altstadt beheimatete Schlepptender-T 3, 89 6009, war bei Eisenbahnfesten in Sachsen nicht wegzudenken. Zum 11. Chemnitz-Hilbersdorfer Heizhausfest bereicherte sie die Fahrzeugparade mit einem Güterzug.
[58] Am Abend des 26. August rückt 219 025 in Chemnitz Hbf zum Tanken nach Furth ein. Die kleine Stellerei steuert die Weichen des Ausbesserungswerks. 219 025 hatte zum 31. Juli 2000 als letzte ihrer Art im AW eine HU erhalten.

September

Bahn-Nachrichten:

  • 15.09.: Einsatzende der BR 202 bei DB Regio. Die letzten aktiven Görlitzer Maschinen werden aus dem Verkehr gezogen.
  • 15.09.: Der „Familientag“ im AW Chemnitz wird aufgrund der „Terroranschläge“ in den USA auf den 03.11. verschoben.
  • 22.09.: Erster Spatenstich für den Umbau des Erfurter Hbf
  • 22.09.: Mit 106 010 der ITL und einem Altschwellenzug erreichen erstmals seit vier Jahren Schienenfahrzeuge den Bf Markersbach aus Richtung Schwarzenberg. Die Betonschwellen stammen vom Rückbau des zweiten Gleises Schwarzenberg – Aue und sollen zur Beseitigung der Oberbaumängel in Raschau und Markersbach wiederverwendet werden. Die BSg-Linie wird für Baustofftransporte und Triebwagentausche als Baugleis reaktiviert. Siehe Meldung vom 25.09.
  • 22./23.09.: Rund 30 Jahre nach der Einstellung des Reiseverkehrs Grünstädtel – Oberrittersgrün ist mit 99 1568 wieder eine IV K im Bf Oberrittersgrün (Sächsisches Schmalspurbahn-Museum) unter Dampf.
  • 25.09.: Öffentliche Versammlung der Eisenbahninitiative oberes Erzgebirge im Schloß Schlettau: Das Konzept des Regionalnetzes Erzgebirge als Teil der DB Mittelstandsoffensive wird von Lutz Mehlhorn (DB Netz Südost) und dem Landrat des Kreises Annaberg, Jürgen Förster, vorgestellt. Das Investitionsvolumen beträgt 225 Millionen DM. Geplant sei eine umfassende Netzsanierung und die SPNV-Bestellung für 20 Jahre ab 15.12.2002.
  • 30.09.: Die am 11.07. vom EBA genehmigte Stilllegung der Strecke Roßwein – Hainichen wird vollzogen.

Zeitgeschehen:

Die Anschläge vom 11. September auf das WTC in New York und das Pentagon lassen die Welt erschüttern. Hinter vorgehaltener Hand muss jeder, der nicht an die spontane Aufhebung von Logik und Naturgesetzen glaubt, an der offiziellen Version der Vorgänge zweifeln. Wer weiß nicht mehr, wo er an diesem Tag war? Ich hatte PEC-Dienst, mein Vater war dienstlich im Heckert-Hochhaus in Chemnitz-Siegmar.

  • 03.09.: Nach dem großen Erfolg von Richterin Barbara Salesch auf Sat.1 startet der Konkurrent RTL mit Das Jugendgericht seine erste pseudo-dokumentarische Gerichtssendung. Die etwas naiv-dümmlich wirkende Richterin Ruth Herz († 2023) und der übertrieben cholerische Staatsanwalt Dirk Küchmeister († 2014) haben mir manchen Nachmittag versüßt.
  • 25.09.: Der russische Staatspräsident Wladimir Putin, auf Staatsbesuch in Deutschland, hält eine vielgelobte Rede im Deutschen Bundestag.
  • 25.09.: Die seinerzeit auf dem Zenit befindliche Harald-Schmidt-Show (Sat.1) geht erstmals nach den „Terroranschlägen“ wieder auf Sendung. Diese Ausgabe wurde mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Schmidt erhielt den Preis, weil er als erster auf die bis dahin ausschließlich zu hörende „Betroffenheitslyrik“ verzichtet hat. Schmidt hatte zwei Wochen pausiert, wodurch ihm ein Ausfall von einer Million Euro entstanden sei. Heute wäre diese Sendung für selbstständig Denkende wohltuender denn je, würde aber den Aufstand „der Anständigen“ wohl keine zehn Tage mehr überleben. Des Weiteren erfüllen derlei Auszeichnungen heute nur noch die Markierungsfunktion für Gesinnungsgenossen.
[59] Der Niedergang der Muldentalbahn Glauchau – Großbothen ging unaufhaltsam weiter. Nachdem sich zum Fahrplanwechsel der SEV von Rochlitz bis Wechselburg ausgeweitet hatte, blieb im Restabschnitt Glauchau – Wechselburg lediglich ein 4-h-Takt mit BR 772/972 übrig. Am 2. September haben 772 121 und 972 502 den Bf Penig erreicht. Wie so oft, wenn man es nicht braucht, brach zeitgleich die Sonne durch die Wolkendecke.
[60] Ein Kommen und Gehen in Chemnitz: Eine 219 verlässt mit einem RE nach Leipzig den Hbf, während 112 124 mit dem IR 2271 aus Berlin Zool. Garten einfährt (16.09.). Werktags startete IR 2271 bereits in Magdeburg Hbf.
[61] Aus Richtung Leipzig nähert sich eine 218 dem Zielort Chemnitz Hbf und überquert die Bundesautobahn 4 bei Chemnitz-Heinersdorf.
[62] Aus einem anderen Blickwinkel ist die Baustellensituation am Bahrebachviadukt deutlich besser einsehbar. Im Zuge des sechsspurigen Ausbaus der BAB 4 werden drei Pfeiler in einem aufwändigen Verfahren abgeschnitten und unterfangen. Mit hydraulischen Pressen müssen an jedem Pfeiler 5000 Tonnen Last abgefangen werden, ohne dass Bahn- und Straßenverkehr eingeschränkt werden! Die Kosten von 9 Millionen DM erscheinen aus heutiger Sicht gering. Zwei Jahre nach Baubeginn ist die erste Hälfte der Unterführung, 1,50 m dicker Stahlbeton als Tunneldecke, schon in Betrieb. Ein 628.4 passiert am 29. September die Brücke mit dem Ziel Burgstädt.

Oktober

Zeitgeschehen:

  • Am 29. Oktober wird mit Invincible das zehnte und letzte Studioalbum des Popkünstlers Michael Jackson veröffentlicht. Es erreicht u. a. in den USA und Deutschland die Chartspitze.

Bahn-Nachrichten:

  • Auch wenn die westlichen Erzgebirgsstrecken „gerettet“ scheinen, es wird massiv zurückgebaut: Der einst so stolze Bf Annaberg-Buchholz Süd verschwindet fast komplett. In Annaberg-Buchholz unt Bf macht die Güterabfertigung einem Discounter Platz.
  • Auch in Chemnitz-Altendorf (CWd-Linie) wird zurückgebaut. Der „Kohlenbahnhof“ (ehem. Ldst Beyerstraße) – im Frühjahr noch genutzt – wird vollständig eingeebnet.
[63] In Wittgensdorf Mitte heißt es am 12. Oktober: Zusteigen bitte! 628 586 hat Dienst zwischen Burgstädt und Chemnitz.
[64] Die drei vom SEM ausgeliehenen Löbauer Bghw der OSEF sind am Bahnsteig 7 des Chemnitzer Hbf abgestellt, während 628 600 nach Wolkenstein aufbricht.
[65] Ein E-Lokzug von Zwickau nach Dresden-Friedrichstadt war sonntags planmäßig. Gleich zwei der vier 156er waren am 7. Oktober eingereiht. Im Hintergrund ist erneut der Milchzug aus Elsterwerda erkennbar.
[66] Als letzter Bf der Chemnitztalbahn Wechselburg – Küchwald war Chemnitz-Glösa noch zeitweise besetzt. 232 508 rollt in Richtung Wagenübergabestelle, um den Gipszug von den Stadtwerken zu übernehmen.
[67] Von Chemnitz-Glösa bis Küchwald zieht 204 607 den Gipszug, während 232 508 nachschiebt. Bis Jahresende haben die Zwickauer 204 auf dieser kurzen Strecke jene Aufgabe. Während der Zug selbst nicht zu sehen ist, fällt die heute nahezu ausgestorbene Kreuztafel (So 106) ins Auge. Sie diente auf Nebenbahnen im (D)DR-Gebiet als Ersatz für Vorsignale. Bei der Deutschen Bundesbahn gab es dieses Signal ab 1959 nicht mehr.
[68] Während in Annaberg-Buchholz die beiden Güterbahnhöfe zurückgebaut werden, ist der Bf Aue noch relativ komplett. Im Gbf wird noch Holz umgeschlagen. Allerdings musste das Reichsbahnamt (vormals Hotel Erzgebirgischer Hof) einem Busbahnhof Platz machen.
[69] Zum Reformationstag waren die Kopfgleise in Chemnitz Hbf noch dominiert von Reichsbahndieselloks. 346 995 und 345 026 warten auf Rangieraufgaben, 219 183 auf den Abfahrauftrag nach Leipzig. Auch wenn die 218 einen Großteil der RE nach Leipzig zum Fahrplanwechsel übernommen hatte, konnte man noch nicht gänzlich auf die 219 verzichten.

November

Bahn-Nachrichten:

  • 05.11.: Einstellung des Güterverkehrs Oschatz – Mügeln (Kohlehandel) – Kemmlitz (Kaolin)
  • Nachdem sich Fahrgäste auf der RE-Linie 9 (BR 612 der Werke Hof und Leipzig Süd) bei eingeschalteter Neigetechnik mehrfach übergeben mussten, hat die Regionalbereichsleitung Nord-Bayern angewiesen, dass die Kundenbetreuer (KiN) bei gemeldetem Unwohlsein „Airsickness-Bags“ (zu deutsch: Spucktüten) aushändigen. Wie lange diese Maßnahme praktiziert wurde, ist unbekannt.
[70] Schon arg blass und gerupft zeigte sich 201 868 am 3. November im AW Chemnitz. Sie beendete im April 1998 in Zwickau die Ära der ursprünglichen DR-V 100-Variante (1970 bis 1991: BR 110). Endgültig zerlegt und verschrottet wurde sie 2004.
[71] Das erinnert wirklich an Raw-Zeiten! Am Abend des 3. November rollen die Hilbersdorfer Ausstellungsfahrzeuge in Epoche III am Verwaltungsgebäude vorbei.
[72] Die PFA in Weiden entwickelte Ende der 1990er-Jahre das sogenannte PUmA-Konzept. Auf Untergestelle von Halberstädter Mitteleinstiegswagen (Bmh) setzte man einen Wagenkasten in Aluminium-Bauweise auf. Der Name PUmA leitet sich von PFA Umbau-Konzept mit Aluminiumaufbau ab. Insgesamt entstanden 55 Wagen, davon 11 Steuerwagen. In Halle (Saale) Hbf war am 17. November eine solche Wendezuggarnitur abgestellt. Einsatzgebiete fanden die Wagen in Bayern, Hessen und schließlich Schleswig-Holstein.
[73] Im Nahverkehr rund um Halle / Leipzig dominierte klar die BR 143 mit Doppelstockwendezügen. 143 908 verlässt den Hallenser Hbf, während links 143 337 wartet (17.11.).

Dezember

Bahn-Nachrichten:

  • 01.12.: Das Modellbahnland Erzgebirge öffnet erstmals für Besucher. In Schönfeld (damals Ortsteil von Wiesa) entsteht Europas größte Modellbahn-Schauanlage in Spur 1 (1:32). Sie hat die Region Annaberg-Buchholz um 1980 zum Vorbild. Zur Eröffnung ist ein Großteil der Anlage noch im Rohbau.
  • 14.12.: Das Nasse-Telle-Viadukt zwischen Ernstthal am Rennsteig und Lauscha auf der seit Januar 1997 gesperrten Strecke Probstzella – Sonneberg wird gegen 11:00 Uhr gesprengt (… und 2002 neu aufgebaut).
  • 14.12.: DB Regio stellt in Freiburg die ersten Triebwagen der BR 641 (Alstom Coradia A TER) – einem deutsch-französischen Gemeinschaftsprodukt – vor. (Bereits Mitte November trafen die ersten 641 in Erfurt und Haltingen ein.)
  • 19.12.: Harald Schmidt erklärt in seiner Late-Night-Show anhand eines H0-Modells den Zugverkehr in seinem Heimatbahnhof Nürtingen. Die Modellbahnanlage war danach viele Jahre im Bf Nürtingen ausgestellt. Link zur Sendung (18./19.12.2001)
  • Zum Jahresende schlägt MORA C (Marktorientiertes Angebot Cargo) zu: Der Güterverkehr in der Fläche wird nochmals stark ausgedünnt, u. a. das Ende für 637 Gütertarifpunkte, z. B. Auerbach West, Brandis, Grünhainichen-Borstendorf, Herrnhut, Obercunnersdorf (Schrotthandel), Wüstenbrand und Zschopau (Bf & Anst Kohlehandel).
[75] Das Cargo-Werk Zwickau verabschiedete am 15. Dezember 2001 die Baureihe 204 mit einer Sonderfahrt von Zwickau nach Schwarzenberg. Um den Zwickauer Traditionseilzug heizen zu können, wurde die Saalfelder 204 838 aus Dresden beordert, die noch über einen funktionstüchtigen Heizkessel verfügt. Die Aufnahme entstand in Lauter, dessen Bf kurz zuvor beim Rückbau des zweiten Streckengleises Schwarzenberg – Aue in eine Ausweichanschlussstelle (Schrotthandel) umgewandelt wurde. Auch dies sollte nur von kurzer Dauer bleiben.
[76] In Schwarzenberg-Wildenau sind die N 4 (LKM 251082) und zwei Gbs aus der Kartonagenfabrik vor die Tür gesetzt worden (15.12.). Der VSE wird sich den Fahrzeugen 2003 annehmen.
[77] Statt der erwarteten, letzten Cargo-Bedienung nach/von Zschopau erreichte 346 003 der PRESS mit einem Meininger Klimaschneepflug den Bf Flöha aus Richtung Wolkenstein. Obwohl im Bf Zschopau noch ein mit Holz beladener Rungenwagen auf Abholung wartete, fiel die Bedienung an diesem 27. Dezember aus.

Das „Schneechaos“ zum Jahresende

In den 2020er-Jahren ist es Usus geworden, dass die Eisenbahn bei prognostiziertem Schneefall vorbeugend den Zugverkehr weitgehend einstellt. 2001 war solch eine Kapitulationserklärung des Systems zwar noch undenkbar, aber man hatte schon an manch präventiver Maßnahme gespart und so konnte ein etwas überdurchschnittlicher Winter zu argen Problemen führen.

An Weihnachten 2001 sorgte das von Skandinavien herziehende Tiefdruckgebiet „Pawel“ für ordentlich Schneefall. Besonders in Hessen, Thüringen, im Harz, in Oberfranken und im Vogtland sowie in Teilen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist der Bahnverkehr ab 24. Dezember stark beeinträchtigt gewesen. Züge des Nah- und Fernverkehrs blieben in meterhohen Schneewehen stecken. Mehrere Vogtlandbahnen entgleisten gar. Auch nahe Chemnitz gab es eine kleine Schneekatastrophe. Leider habe ich davon aber erst im Nachhinein erfahren, sodass die Rekonstruktion der Ereignisse (auch aufgrund teilweise widersprüchlicher Quellen) recht mühsam war:

An Heiligabend gegen 20:30 Uhr bleibt der mit 218 209 bespannte RE 17135 (Leipzig – Chemnitz) bei Burgstädt / Taura (km 48,8 KC) in einer Schneewehe stecken. Die Burgstädter Feuerwehr befreite die 28 Fahrgäste (andere Quelle: 29) nach sechs (andere Quelle: acht) Stunden. Die besagte Stelle auf freiem Feld war stark verwehungsanfällig. Doch, warum blieben dort vorher im Winter keine Züge liegen? Früher hatten die Bahnmeistereien an solchen Stellen im Frühherbst beizeiten Schneefangzäune aufgestellt. Doch das war im Winter 2001/02 nicht mehr der Fall. Schon die RE am Nachmittag rasten in Burgstädt und Wittgensdorf abenteuerlich durch hohe Schneewände – und kamen noch durch. Das Lokpersonal meldete die wachsenden Schneewehen. Aber die Verantwortlichen meinten wohl, dass die 218er das weiße Pulver in jeder Menge beiseite fegen würden. Irgendwann war es dann aber der bekannte – in diesem Fall kristalline – Tropfen zuviel. Nur wenige der Leipziger 218 hatten Bahnräumer. Die am frühen Nachmittag eingesetzte 218 183 hatte einen, die liegengebliebene 218 209 hatte keinen. Ob das noch groß eine Rolle spielte, ist fraglich. Ein aus Richtung Burgstädt herbei eilender Meininger Klimaschneepflug musste sich mit völlig demolierter Pflugschar vorzeitig geschlagen geben. Ein Radlader des THW und letztlich Muskelkraft halfen bei der Bergung des Zuges.

[78] Chemnitzer Morgenpost vom 28.12.2001

Nachdem der am 24./25. Dezember gestrandete RE geborgen werden konnte, lief der Betrieb am 27. Dezember wieder durchgängig. Mehrere Kohlezüge für das Heizkraftwerk Chemnitz Nord hatten sich aufgestaut und fuhren nun in kurzen Abständen. Wenige Tage später war die Strecke bei Burgstädt erneut völlig zugeweht und erneut blieben Fahrzeuge, u. a. 219 093, liegen. Aber das gehört dann schon in den Rückblick auf 2002 …

[79] Der Winter hatte es zum Jahreswechsel in sich! Zwischen Burgstädt und Wittgensdorf führten starke Schneeverwehungen an Heiligabend zum Liegenbleiben eines Reisezuges, welcher evakuiert werden musste. Im Bf Küchwald hatte die spätere Lindenberg-Lok 218 212 am 22. Dezember hingegen noch ein leichtes Spiel. Wenige Tage später war sie an der Bergung eines gestrandeten Zuges beteiligt.
[80] Eindrucksvolle Schneewände eskortieren die REs nach Leipzig in den letzten Tagen des Jahres. Die frisch hauptuntersuchte 218 208 hat soeben die Tauraer Straße unterquert.
[81] Ein paar Streckenmeter weiter in Richtung Burgstädt (links dessen Vorsignal), 200 Meter hinter der Unglücksstelle, rollt der nächste RE mit 218 183 durch die Schneemassen. Heutzutage ist die Stelle nicht mehr ganz so anfällig für Verwehungen, da sich der Baumbestand entlang der Strecke stark entwickelt hat. Die Häuser im Hintergrund zählen zu Taura.
[82] Zwischen Küchwald und Wittgensdorf ob Bf war ab Weihnachten, aufgrund der Schneemengen, nur noch eingleisiger Betrieb möglich. Daher waren keine Trassen für die RB Chemnitz – Burgstädt frei, was das analoge Reisendeninformationssystem am 27. Dezember erklärt.

Ein herzlicher Dank an Ronny Meyer/RMC und André Warthemann/tt-bahner für die zur Verfügung gestellten Aufnahmen!

Verwendete Quellen

  • Eigene Aufzeichnungen und Erinnerungen
  • Eisenbahn-Kurier, Jahrgänge 2001, 2002
  • 1RioGrande/JS-Filmproduktion (2000): Video-Express, Ausgabe 41.
  • RioGrande/JS-Filmproduktion (2001): Video-Express, Ausgaben 47, 48

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