Vor 20 Jahren: 2005 im Rückspiegel, Teil 2

Vorwort (2)

In Anlehnung an meine Rückblicke seit 2015 soll nun eine etwas ausführlichere Retrospektive auf das Jahr 2005 erfolgen. Die Texte basieren teilweise auf Beiträgen, die ich 2015 im Eisenbahnforum Vogtland veröffentlicht habe. Die Fotos sind digital überarbeitet bzw. neu ausgewählt worden.

Was sind wesentliche Unterschiede in der BRD im Jahre 2005 im Vergleich zur Gegenwart (12/2025)?

Angela Merkel war Mitte 2005 im Wahlkampf um das Kanzleramt. Im Wahlprogramm war die CDU noch als konservative Partei erkennbar. Ein Mitglied in Merkels Kompetenzteam war der ehemalige Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof, der ein grundlegend reformiertes Steuermodell vertrat, das bei CDU/CSU Anklang fand.

Im Vorjahr (2004) hielt Merkel in Düsseldorf eine – für ihre Verhältnisse – flammende Rede, in der sie angab, sich vehement für die „Steuerung und Begrenzung von Zuwanderung“ stark machen zu wollen: „Da muss man natürlich darüber sprechen, dass es den Missbrauch des Asylrechts gibt.“ Zehn Jahre später war das nicht mehr so „natürlich“, nicht nur für die damalige Bundeskanzlerin. Und noch einmal zehn Jahre später hat die quasi von Merkel aus der Taufe gehobene Alternative zu ihrer „alternativlosen“ Politik bundesweit höhere Umfragewerte als alle anderen. Ein Schelm, der Zusammenhänge sieht!

Weitere Kontroversen im Wahlkampf zwischen CDU/CSU/FDP und SPD/Grünen waren der Atomausstieg (für die Jüngeren: die CDU war für die Verlängerung der Laufzeiten) und eine Mehrwertsteuererhöhung. Die CDU führte einen ungewohnt ehrlichen Wahlkampf, indem sie eine Mwst-Erhöhung von 16 auf 18 % „versprach“. Die SPD versprach in weiterer Regierungsverantwortung eine Mwst-Erhöhung von 0 %. Da war es absolut logisch, dass die Mwst dann in gemeinsamer (damals noch „großer“) Koalition eine Erhöhung um drei auf 19 % erlebte.

Zurück zur Ausgangsfrage: Der für die Lebensumstände des Durchschnittsmenschen wohl gewichtigste Unterschied zu heute: Es gab noch keine Schmierfone (Smartphones). Ergo: Die Menschen starrten noch nicht bei jeder Gelegenheit mit gesenktem Kopf auf mobile Digital-Endgeräte – und kamen dadurch noch häufiger mit eigenen Gedanken oder realen Menschen in Berührung. Dadurch nahm man die unmittelbare Umgebung noch bewusst(er) wahr, mit Augen und Ohren. Müll lag noch nicht an jeder Ecke und Sachbeschädigungen an Fremd- oder Gemeineigentum waren noch nicht an der Tagesordnung. Kurzum: Die Wohlstandsverwahrlosung war 2005 noch nicht im Ansatz soweit fortgeschritten wie 2025. Die von Schröder 2003 durchgesetzte Agenda 2010, die Deutschland in den 2010er-Jahren prosperieren ließ, griff allmählich.

Auch das Lebensgefühl im (großstädtischen) Straßenverkehr war 2005 noch ganz anders als heute: Wenn eine Ampel auf Grün schaltete, konnte man einfach losfahren oder loslaufen, ohne dass noch zig Rotfahrer/Rotgänger den Fahrweg querten. In Kurven musste man noch keinen Gegenverkehr fürchten, da die Kraftfahrer ihr Fahrzeug noch sicher in der eigenen Fahrspur halten konnten. (Das wirft die Frage auf, ob das zunehmende Nichteinhalten des Rechtsfahrgebots nur eine kognitive Verarmung dokumentiert, oder auch auf eine motorische Retardierung zurückzuführen ist?) Die Funktion des Blinkers wurde aber auch 2005 schon häufig missverstanden. (Soweit ich weiß galt schon immer: Man blinkt, bevor man die Fahrspur wechselt.) Immerhin ist „rechts blinken, um links abzubiegen“ auf der Straße noch die Ausnahme – bei CDU-Kanzlerkandidaten hingegen sowohl Mitte 2005 als auch Anfang 2025 praktiziert worden.

Juli

Zu Beginn des Monats spricht der Bundestag gegenüber Bundeskanzler Schröder das Misstrauen aus. Er hatte nach den
jüngsten Landtagswahlniederlagen die Vertrauensfrage gestellt. Für Herbst sind Bundestagsneuwahlen vorgesehen, wofür Bundespräsident Köhler am 21.07. offiziell seine Zustimmung gibt.

Am 07.07. fordert eine Serie terroristischer Anschläge in London über 50 Menschenleben und ca. 700 Verletzte.

Durch Ernteausfälle in Westafrika droht 3,6 Millionen Menschen der Hungertod, was Monate zuvor von der UNO angemahnt,
von den Medien weltweit aber weitestgehend ignoriert wurde.

24.07.: Bei seiner letzten Tour de France-Teilnahme erreichte Jan Ullrich den dritten Platz in der Gesamtwertung, hinter
Lance Armstrong und Ivan Basso. Armstrongs und Ullrichs Platzierungen wurden nach Urteilen im Jahr 2012 aberkannt.

[73] Ein außerplanmäßig über Chemnitz geleiteter Güterzug aus Mosel mit 155 011 legt einen Betriebshalt im Hbf ein (02.07.).
[74] Wochentags wurde das AW Chemnitz auch abends bedient. 298 323 holt gerade Wagen ab, welche von Werklok 1 (eine Bundesbahn-Köf III)
bereitgestellt wurden (11.07.).
[75] 18.07.2005: 145 072 rollt mit IC 2691 (Zwickau – Dresden) durch Muldenhütten.
[76] Die letzte ihrer (Farb-)Art: 232 690 war am 25.07. im Kesselzugverkehr Rhäsa – Döbeln eingesetzt. Am Abend hat sie Döbeln Hbf erreicht. Rechts stand noch die frühere Triebfahrzeugeinsatzstelle.
[77] Am 27.07. hat mich „FSC“ zu einer Tagestour im Großraum Leipzig mitgenommen. Am Morgen beobachteten wir zunächst die Bedienung des Holzbetriebs Ladenburger in Geithain. MEG 105 (204 860) schiebt die aus einem Wagen bestehende Rückleistung in den Bf Geithain.
[78] Anschließend ist ein ausrangierter Transformator nach Espenhain transportiert worden. MEG 208 (228 786) schleicht mit der Fuhre
aus Böhlen (b Lpz).
[79] Der Nachschuss auf den Tragschnabelwagen, der den Transformator innehält. Die Strecke nach Espenhain steigt an, um die Hauptbahn
Leipzig – Hof zu überqueren. Im Hintergrund ist das Kraftwerk Lippendorf erkennbar.
[80] Am Güterring bezogen wir im Bf Leipzig-Schönefeld Stellung und es rollte nahezu ununterbrochen im Blockabstand.

August

Was war im August?

Adidas kauft Reebok, Peter Lustig geht in (Löwenzahn-)Rente und vier Magdeburger „Jungs“ feiern ihren Durchbruch mit dem Lied Durch den Monsun.

2005 waren die einzigen Sommerferien, an denen ich mir neben dem VMS/VVV-Ferienticket auch das NASA-Ferienticket für Sachsen-Anhalt und den Leipziger Raum angeschafft hatte. Genutzt wurde es vor allem, um an den Leipziger Güterring nach Schönefeld zu fahren. Die Güterzugdichte war damals verlockend.

[81] Das IC-Zugpaar 1562/1561 (Dresden – Zwickau – Dresden) wurde planmäßig mit einem ICE-Triebzug der BR 415 gefahren. Dieser sprang jedoch am 04.08. für einen verspäteten EC von Dresden nach Berlin ein. Deshalb übernahm eine IC-Ersatzgarnitur mit 120 116 diese Leistung. Am Morgen des 05.08. verlässt IC 1561 den Chemnitzer Hbf und passiert Stellwerk 2.
[82] „Falls die Umstellung auf Triebzüge so weitergeht wie geplant, dürfte die 101 etwa ab dem Jahr 2005 überflüssig sein.“ prognostizierte Andreas Räntzsch im Modelleisenbahner 09/1996 auf Seite 21 unter der Überschrift „Übergangs-Lösung“ als der Prototyp 101 001 bei Adtranz in Kassel der Öffentlichkeit präsentiert wurde. 2025 ist der Stern dieser Baureihe tatsächlich im Sinkflug. Im August 2005 stand die Baureihe 101 jedoch in voller Blüte. In Leipzig Hbf steht neben 101 039 die frisch umlackierte Metropolitan-Garnitur mit der dazugehörigen 101 130.
[83] Einige Tatra-Straßenbahntriebwagen aus Halle (Saale) erreichen den Engelsdorfer Rangierbahnhof (16. oder 17.08.).
Am 18.08. treten sie die Weiterreise in Richtung Osteuropa an.
[84] Am 18.08. reisten wir ins Elbtal nach Königstein, um die Überführung der Hallenser Tatras festzuhalten, was auch gelang. Als Beifang hier ein Eurocity mit 371.004 in Richtung Děčín. Diese Mehrsystem-Ellokbaureihe hielt sich vereinzelt bis 2025 auf der Strecke. Fotografisch interessierte sie mich im himmelblauen Lack gar nicht mehr.
[85] Am Folgetag (19.08.) gab es am Leipziger Güterring zahlreiche Leckerbissen. Einer der ersten rollt mit 155 093 aus Richtung Engelsdorf durch Leipzig-Schönefeld.
[86] Ein Stargast des Chemnitz-Hilbersdorfer Heizhausfestes war die noch für Railion aktive 155 001. Nachdem sie am 24.08. den
IRC 52302 nach Zwickau brachte, bespannte sie am 25.08. einen Lokzug von Glauchau nach Niederwiesa. Zwischen Chemnitz-Siegmar und -Schönau begegnete mir die Fuhre eher als erwartet.
[87] Die Überführung der frisch hauptuntersuchten, wieder ergrünten und nach Nossen umbeheimateten 18 201 wurde in Mittweida
erwartet. Noch besitzt der Bahnhof alle Gütergleise (26.08.).

September

Am 18.09. fand die 16. Bundestagswahl statt, das Ergebnis ist bekannt: Die lange und für das Land folgenschwere Ära Merkel beginnt!
Unvergessen ist Gerhard Schröders adrenalingeschwängerter Auftritt in der „Elefantenrunde“ am Wahlabend. Auch wenn man Schröders emotionalen Auftritt menschlich nachvollziehen kann: Immerhin hat er den Mainstream-Medien und den Umfrage-Instituten zum Trotz die CDU noch fast eingeholt. Heute herrscht weitgehend Konsens darüber, dass sein „suboptimales“ Benehmen Merkels Kanzlerschaft erst den Weg geebnet hatte. Denn die „Parteifreunde“ hatten – nach dem überraschend mageren CDU-Wahlergebnis – hinter Merkels Rücken schon die Messer gewetzt. Nun griffen jedoch menschliche Verteidigungsreflexe. Das ist bemerkenswert, schließlich ließ Merkel selbst jeden parteiinternen Kontrahenten – mit Helmut Kohl 2000 gar ihren größten Förderer – eiskalt über die Planke springen. Merkels jahrelanger Erfolg und ihre verhängnisvollen (Nicht-)Entscheidungen, z. B. in puncto Energieversorgung, Rente, Bundeswehr, unkontrollierte Immigration seit 2015, Chemnitz-Lüge 2018, annullierte Thüringen-Wahl 2020, Corona u.v.m. dokumentieren auch das große Versagen der CDU, die für Merkel nichts als ein Karrieresprungbrett war.
Seit den Wahlverspreche(r)n zur Mehrwertsteuererhöhung (CDU: +2%; SPD: +/-0%) gilt übrigens mathematisch Folgendes: 2 +/- 0 = 3.

[88] Am ersten Septemberwochenende fanden Bauarbeiten im Knoten Zwickau statt. Somit wurden die Intercitys (Dresden – Nürnberg)
über Gößnitz umgeleitet. IC 2151 aus Richtung Nürnberg erreicht am 04.09. den Bahnhof Gößnitz. Da die Züge damals ohne Steuerwagen verkehrten, wurde der Traktionswechsel von Reichenbach nach Gößnitz verlegt.
[89] 145 046 zieht den Zug von Gößnitz nach Dresden. Durchfahrt im Bf Meerane, welcher 2011 völlig umgestaltet wurde.
[90] Eine Schulexkursion in die bayerische Landeshauptstadt ermöglichte mir am 15.09. eine Stippvisite im Bf München Ost. Unter anderem kam mir die „Tigerente“ 290 177 vor die Linse, bei der man es mit Warnkennzeichnungen besonders gut meinte.
[91] 18.09.: Glück gehabt! Statt der planmäßigen 145 war 155 116“ an der Spitze der Spreewitz-Kohle. Diese 155 wurde 2004 nach einem schweren Unfall mit Teilen von 155 090 wieder aufgebaut. Am Zugschluss hing 155 161.
[92] Im unteren Anschluss des Heizkraftwerks Chemnitz Nord II war während der Spreewitz-Kohle-Ära wenig los. Ab und an wurden aber einzelne Falns vom Kohlependel mit Asche beladen. Dies ist auch am Vormittag des 24.09. der Fall gewesen. Lok Nr. 4 (ex-DR V 100 067) drückt die beladenen Wagen vorbei an Sachsens höchstem Bauwerk. Die Anschlussbahn ist wenige Wochen zuvor von der AHG übernommen worden, wovon die Anschriften an der V 100 zeugen.

Oktober

Der goldene Oktober’05 war für viele Eisenbahnfreunde überschattet worden vom Schuppenbrand in Nürnberg-Gostenhof.

Am Abend des 17.10. brach im Holzdach des Gostenhofer Rundschuppens ein Feuer aus. Darin gelagerte Acetylenflaschen,
und nicht zuletzt die teilweise mit Kraftstoff gefüllten Dieselloks, wirkten sich „günstig“ auf das Feuer aus. Für die im Schuppen
abgestellten (Diesel-)Fahrzeuge kam jede Hilfe zu spät.
Mit zwei Dekaden Abstand mag die Floskel „die Zeit heilt alle Wunden“ zumindest auf die Dampfloks zutreffen, denn die waren
alle zu retten. 01 150 war zwischenzeitlich sogar wieder betriebsfähig. Zunächst traf die Gunst der Führungsetage aber
lediglich den Adler-Nachbau, er wurde schnell wieder aufgebaut.
Um das Ganze richtig einzuordnen: Es kamen, abgesehen von zwei leicht verletzten Feuerwehrmännern, keine Menschen zu
schaden, was selbstverständlich die Hauptsache ist. Traurig war das Ende von DB-Klassikern, wie V 200 002 und V 80 002
für viele sicher trotzdem. Auch das Schicksal der meisten anderen Fahrzeuge (23 105, 45 010, 86 457, E 75 09 etc.) war lange
ungewiss.

[93] Eine mehrjährige Tradition war der „Porzellan- und Bäderexpress“ zwischen Hof, Selb und Bad Steben. Gebildet wurde dieser im Laufe der Zeit
u. a. aus V 100 1023 und Silberlingen oder gar LVT der BR 772. Am 01.10.2005 verkehrte dieser Zug, wenn ich richtig erinnere, zum letzten Mal.
Zum Einsatz kam der VT 614 005/006, der die Bundesbahn-Poplackierung der 1970er-Jahre trägt. Schmuddeligen Wetters zum Trotz reiste ich per Bahn an,
wobei ich mich auf den Bad Stebener Ast konzentrierte. Kein (Chemnitzer) Eisenbahnfreund wollte mich an diesem Regentag begleiten, und so hatte ich den
614er nahezu für mich allein.
[94] In Selbitz entstand während der Zugkreuzung mit 628 409 diese Aufnahme. Fällt euch etwas auf? Ich bin unschuldig!
[95] Am Tag der Einheit gab es einen Ausflug zu dritt in die Bundeshauptstadt. Im Wagenwerk an der Warschauer Straße rangiert 345 064 eine Talgo-Garnitur.
[96] Am Nachmittag des 11.10. war ein 642 in Chemnitz Hbf entgleist. 232 260 brachte den Zwickauer Hilfszug an Ort und Stelle.
[97] Am 16.10. waren wir im Vogtland unterwegs. 218 385 und 218 192 verlassen mit einem Reisezug nach Hof den Bf Pöllwitz an der Strecke (Werdau -)
Weida – Mehltheuer. Die Reisezüge aus Richtung Hof wendeten hier baubedingt.
[98] In Mehltheuer mussten die 218er der Vogtlandbahn nach Schleiz West in Form von VT 39 auf der Hauptbahn den Vortritt lassen.
Das links abgebildete Stellwerk W2 ist am 17.01.2004 außer Betrieb gegangen und kurz nach der Aufnahme abgebrochen worden.
[99] Die Rückleistung von 218 192 und 218 385 erwarteten wir bei Grobau (16.10.).
[100] Die vom VEB Lederfabrik Hirschberg stammende LEW 17800 stand im Anschluss der Sächsische Recycling GmbH in Reuth abgestellt.
[101] Lange haben wir uns nicht mehr den 228ern im Thüringer Oberland zugewandt, die weiterhin unverdrossen im Einsatz waren.
Am 17.10. hatten Lok 203 und 202 der MEG gemeinsam hinter Unterlemnitz gen Lobenstein wenig Mühe, war der Scheitelpunkt doch bereits überwunden.
[102] Im Oktober 2005 kamen nach längerer Abwesenheit wieder regulär T3D-M auf der Linie 6 zum Einsatz.
[103] Edel-U-Boot in Geithain: Am 19.10. bediente MEG 302 (229 173) den Holzhandel.
[104] Erstmals besuchte ich, mit meinen Eltern, den Linienstern Mühldorf (Oberbayern) für drei Tage – das bekannte „Dieselparadies“. Solch einen nicht-elektrifizierten, intakten Knotenbahnhof mit reichlich Reise- und Güterverkehr inklusive Bw suchte man damals in unseren Breiten schon lange vergeblich. Zufällig fanden damals die ersten Probefahrten mit 232/233 statt. Hier sehen wir 233 043 am Schluss eines ausfahrenden Zuges, dahinter das Bw (26.10.).
[105] Die von Mühldorf ausgehenden Nebenstrecken waren fest in der Hand der BR 628. 628 578 verlässt Altötting auf der Fahrt von Burghausen nach Mühldorf (25.10.).
[106] Am Abend des 25.10. hat 218 403 mit einer Bn-Garnitur aus München den Knoten Mühldorf erreicht.
[107] Anschließend ranigert 364 862 die Zuggarnitur in die Abstellung.
[108] Ein weiterer Besuchermagnet war der Übergabeverkehr mit 213 333. Hier erreicht sie mit einem Müllzug nach Kastl den Bf Tüssling
(26.10.).
[109] Samstags war eine Interregio-Leistung Berlin – Chemnitz regulär mit der BR 101 bespannt. Am 29.10. rollt diese über das Ottendorfer Viadukt, das zehn Jahre später durch einen Neubau ersetzt sein wird.
[110] Meine vorletzte Zugfahrt zum Knoten Halberstadt mit seinen diesellokbespannten Regionalzügen fand am 30.10. statt. Das gesamte verlängerte, letzte Oktoberwochenende über war herrliches Herbstwetter. In Nienhagen rollt 218 102 mit einem RE von Magdeburg nach Thale.
[111] Endlich kam mir auch die erste Serien-218 vor die Linse. Bei allen vorherigen Besuchen war sie mir ausgewichen.
In Halberstadt-Spiegelsberge kreuzt die von Blankenburg schiebende 218 101 mit einem Güterzug, bespannt mir 241 697.

November

15.11.: Am frühen Morgen erschüttert ein leichtes Erdbeben der Stärke 3,1 auf der Richterskala Teile des Saarlands. Der exzessive Bergbau sei ursächlich.

17.11.: Der ehemalige Bundesligaschiedsrichter Robert Hoyzer wird wegen Beihilfe zum bandenmäßigen Betrug vom Landgericht Berlin zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt.

22.11.: Die Mitglieder des Bundestags wählen Angela Merkel mit 397 von 614 möglichen Stimmen zur Bundeskanzlerin. Das Votum für Merkel liegt 51 Stimmen unter der Anzahl der den Regierungsparteien CDU, CSU und SPD zugehörigen Mandatsträger.

[112] „Spurplananpassungen“ (oder einfach auch nur: radikaler Rückbau von Weichenverbindungen) im Bf Schwarzenberg hatten mehrwöchigen Umleiterverkehr
im oberen Erzgebirge als Begleiterscheinung. Die Bedienung des Schrotthändlers in Grünstädtel erfolgte über die Zschopautalbahn.
Am 10.11. war 294 691 mit der Hinleistung in Walthersdorf unterwegs.
[113] Diese Komposition ist wohl für die Grünstädtel-Übergabe außergewöhnlich: Soweit ich es rekonstruieren kann, fuhr die 294 mit nur einem Eas an diesem Tag
von Grünstädtel nach Chemnitz Süd zurück. Die nachmittägliche Übergabe Chemnitz Süd – Zwickau bestand nur aus diesem einen Wagen (und der 294) und
ist von einer V 60 nach Chemnitz Hbf gebracht worden. Dort hat 140 186 den „schweren Brocken“ nun zur Weiterfahrt nach Zwickau übernommen.
[114] Sehr kurzfristig erfuhren wir am Nachmittag des 15.11. von einem Fußballsonderzug mit 219 084 zwischen Erfurt(?) und Jena.
Eilig wurden einige Fotokollegen zusammengetrommelt und nach Jena-Göschwitz gekarrt. Dort wendete der Leerreisezug, hier
zu sehen unmittelbar nach der Ankunft.
[115] Hier sehen wir die nicht alltägliche Symbiose der Grünstädtel-/Chemnitzer Übergabe. 294 691 war auf der BSg-Linie liegen
geblieben und wurde von 294 738 abgeschleppt. In Chemnitz Hbf wurde die stark verspätete Fuhre dann gleich mit der Übergabe
von Chemnitz Süd nach Zwickau vereinigt. An diesem Tag (18.11.) bespannte diese ab Hbf das „Glubschauge“ 140 036.
[116] Am 24.11. war 294 825 dann störungsfrei und etwas vor Plan in Schönfeld-Wiesa auf dem Rückweg von Grünstädtel gen Chemnitz.
[117] Einen Tag später erreichte abends der Braunschweiger „Eierkopp“ VT 08 503+520 den Chemnitzer Hbf.

Dezember

Noch einmal zur Popmusik: Den gesamten Monat hindurch stand Madonna mit der Single Hung Up, die Anleihen an ABBAs Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight) nimmt, an der deutschen Chartspitze.

[118] Der abendliche Nahgüterzug Freiberg (Sachs) – Dresden-Friedrichstadt war damals (für einige Wochen) regelmäßig mit einer
180 bespannt. Am 02.12. unternahm ich einen Versuch das zu dokumentieren. 180 015 war an diesem Tag eingeteilt, 298 110 wird mitgeführt.
[119] Nun nähert sich der Fahrplanwechsel. Nein, es war noch nicht das Ende der IC-Herrlichkeit im Vogtland. Aber die Bau-
reihen 232-234 verabschiedeten sich nun auch auf dem nicht-elektrifizierten Abschnitt Nürnberg – Reichenbach (Vogtl) ob Bf aus
dem IC-Plandienst. Es übernahmen Mühldorfer 218 in Doppeltraktion. Am vorletzten Tag (09.12.) sehen wir 232 592 in Hof Hbf.
[120] Der letzte Tag des Fahrplanjahres war Samstag, der 10.12. – einer der ersten großen Einschnitte für die Baureihe 218 in DB Regio-
Diensten. Die „Windmühlen“ verabschiedeten sich u. a. auf der Odenwaldbahn, der Marschbahn und aus dem Stendaler/Halberstädter
Raum im Regionaldienst. Letzterem wurde, zusammen mit Daniel/DWK, nochmals die Ehre erwiesen. Eines der letzten Refugien für
diesellokbespannte Reisezüge in Mitteldeutschland wurde verabschiedet. In Thale habe ich diese kleine Eigenkreation an 218 321 angebracht,
aufgenommen in Nienhagen.
[121] Ebenfalls in Nienhagen bei Halberstadt versprühte dieser Schrankenposten noch Reichsbahnflair.
[122] Die größte 218-Hochburg, Lübeck, war nun mit dem Wegfall der DB Regio-Verkehre auf der Marschbahn schon arg gerupft worden.
Zahlreiche Lübecker Loks wurden nach Mühldorf umstationiert. Dort wurden nun viele 218 für den IC-Verkehr Nürnberg – Reichenbach ob Bf
(- Chemnitz – Dresden) benötigt.
Die Lübecker 218 175 war nur noch wenige Wochen für Mühldorf im Einsatz. Am 11.12. hat sie gemeinsam mit 218 353 den IC 2161 (Karlsruhe – Chemnitz)
ans Ziel gebracht. Damals hätte ich mir den Latz an erster Stelle gewünscht, aber die 175 habe ich nicht nochmal bekommen. Sie wurde einen Monat später z-gestellt.
[123] 119 158 war im Dezember mehrmals vor Sonderzügen im Erzgebirge zu sehen. Am 18.12. macht sie sich mit dem Berliner
Sonderzug in Annaberg-Buchholz Süd für die Rückfahrt bereit.
[124] Szenenwechsel an die Striegistalbahn Roßwein – Hainichen, der leider nichts Gutes mehr blüht. Die V 10 B ist nur noch zum Streckenabbau da.
Auf der Trasse sollte ein Radweg errichtet werden, wozu es aber bis heute nicht kam. (Berbersdorf am 28.12.)
[125] Planmäßig fuhr sonnabends gegen 5:00 Uhr ein Lokzug aus vier 218ern von Chemnitz nach Reichenbach (Vogtl) ob Bf.
Am 31.12.2005 bestand dieser aus 218 353, 358, 292 und 352.

Das war schon kurios! Zwei Monate zuvor war man mit den Eltern nach Mühldorf gereist, um die bunten 218er zu erleben. Und dann kamen sie freiwillig in die Heimat. Im Januar 2006 besuchte dann auch die „Blumenwiese“ (218 418) Sachsens drittgrößte Stadt.

2005 im Rückspiegel: Teil 1

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