Inhaltsverzeichniss

Chemnitz ist eine Eisenbahnstadt und besaß im Laufe der Zeit mehrere große Bahnbetriebswerke (Bw). Bis heute nahezu vollständig erhalten ist das Bw Chemnitz-Hilbersdorf, wo seit 1990 das Sächsische Eisenbahnmuseum e.V. zu Hause ist. Etwas im Schatten steht das inzwischen brach liegende Bw Chemnitz Hbf, welches in diesem Beitrag im Vordergrund stehen soll.

Vorgeschichte

Chemnitz war seit 1. September 1852 von Riesa her an das Bahnnetz angeschlossen. Wie schon im Beitrag zum Chemnitzer Hbf beschrieben, wurden die Anlagen aufgrund neuer Strecken ständig erweitert. Die ersten Lokbehandlungsanlagen waren recht primitiv und wurden 1858 erstmals erweitert. Beim ersten großen Bahnhofsumbau entstanden 1868-72 zwei große Rundheizhäuser auf dem Areal des späteren Postbahnhofs. Sie besaßen zwei Drehscheiben und insgesamt 28 Stände. Die nächste Erweiterung des Bahnhofs erfolgte 1878 und es entstand ein separater Rechteckschuppen mit Schiebebühne für Güterzugloks (21 Stände). Dieser Rechteckschuppen wurde 1891 nochmals um 17 Stände erweitert. Die Anlagen wuchsen somit an die Lerchenstraße heran. Aufgrund des Höhenunterschiedes musste das Heizhaus nun straßenseitig mit Mauerwerk abgesichert werden. Aber auch diese recht großzügigen Anlagen blieben keine Dauerlösung. Zu sehr waren die Bahnhofsanlagen inzwischen ins Stadtzentrum gerückt und die vorangeschrittene Bebauung verhinderte nochmalige Erweiterungen. Außerdem wurde die Belastung durch den Qualm der Dampfloks zum Problem nahe der Wohngebiete.

Der 1878 erbaute und 1891 erweiterte rechteckige Lokschuppen an der Lerchenstraße existiert teilweise noch heute. In der Mitte befand sich eine Schiebebühne mit beidseitig je zehn Gleisen. Wegen Bahnhofserweiterung musste der alte Schuppenteil abgebrochen werden (es blieben nur je vier Gleise pro Seite) und diente bis 1926 noch dem Raw für den Tenderbau. Später wurde er als Büro- und Lagerraum genutzt. Außerdem wurde eine Kesselanlage zum Vorheizen von Zügen installiert. (Zustand im April 2009)

1900 wurde zusammen mit dem Rangierbahnhof in Hilbersdorf östlich der Stadt (1904 eingemeindet) ein neues Bahnbetriebswerk mit zwei Rundheizhäusern in Betrieb genommen wo fortan alle Güterzugloks beheimatet wurden. Für die Personenzug- und Rangierloks erfolgte der Umzug erst 1906. Auf Further Flur, nordöstlich der Stadt (eingemeindet 1913) entstand ein "Außenbahnhof" und ein drittes großes Bahnbetriebswerk mit ebenfalls zwei Rundhäusern. Es ersetzte die beiden Rundschuppen am Hauptbahnhof, welche schnell neuen Gleisanlagen und dem Postbahnhof weichen mussten. Dieser später als Bw Chemnitz Hbf (ab 1968: Bw Karl-Marx-Stadt, Betriebsteil Glösaer Straße) bezeichnete Komplex zwischen den Strecken nach Riesa und Dresden existierte bis Mitte 2001 als eigenständiges Bahnbetriebswerk (zu DB AG-Zeiten als "Betriebshof" bezeichnet). Zum Jahresende 2002 schlossen sich mit dem Auszug der Werkstatt die Schuppentore für immer. Das Areal ist seither dem Verfall preisgegeben. Im Folgenden sollen einige Aufnahmen aus den letzten Jahren an das Bahnbetriebswerk erinnern.

Waren im Bw Hilbersdorf zunächst drei Rundschuppen geplant, so sollten es in Furth gar vier Heizhäuser werden. Gebaut wurden aber nur die Schuppen II und III, welche später in I und II umbenannt wurden. Hier sehen wir den seit 1916 im Wesentlichen unveränderten Teil von Schuppen I (vormals II). Zwischen 1906 und 1913 besaß dieser Schuppen nur 13 Stände und wurde anschließend auf 26 erweitert. Im Sommer 2000 war nicht mehr viel los. Lediglich zwei 219er sonnen sich. Der Schuppen war bereits wegen Baufälligkeit gesperrt.

Schuppen I im April 2013. Birken bevölkern die Stände und...

...die Schneeschmelze und das löchrige Dach bilden eine ganz eigene Sinfonie.

Die Stände 14-26 von Haus 1 (Schuppen I) sollten ab 1981 (analog zu Haus 2) vollständig rekonstruiert und für die Stationierung der Baureihe 250 ausgebaut werden. Allerdings geriet die Sanierung ins Stocken und wurde letztlich nie vollendet. Am 5. August 1999 stehen hier u.a. 219 091, 202 811, 202 550, 202 690, 202 625 und 204 845. Die Dächer beider Rundhäuser wurden am 27. Mai 1916 durch eine Windhose schon einmal vollständig zerstört und seinerzeit vollständig wiedererrichtet.

Das Schuppenfragment, vom Personal auch scherzhaft "Kolosseum" genannt, am 7. April 2013. Links im Hintergrund ist der 1906 errichtete Wasserturm zu sehen. Eigens für die Wasserversorgung der Chemnitzer Bahnbetriebswerke wurde die Talsperre Euba angelegt.

Im Sommer 1999 konnte man auf die unüberdachten Stände an der Glösaer Straße noch nicht verzichten, dies sollte sich bald ändern. Blick auf 202 625. Elloks konnte man zu diesem Zeitpunkt nicht mehr antreffen.

Die Drehscheibe, welche 202 811 am 5. August 1999 benutzt stammt aus dem Jahr 1982 und wurde vom VEB Maschinen- und Stahlbau Dresden geliefert. Sie ersetzte die Vorgängerin aus dem Jahr 1928. 202 811 verlässt Haus 1 um gleich...

...gemeinsam mit 219 074 und 202 311 das Bw in Richtung Hbf zu verlassen. Links ist der Erker der Lokleitung zu sehen. Er befindet sich an einem ca. 1930 errichteten Zwischenbau, der beide Rundhäuser verbindet.

Das 1930 errichtete Sozialgebäude und dahinter das Magazingebäude am 7. April 2013.

Blicken wir nochmals auf Haus 1 und den Zwischenbau mit Lokleitung (links). Rechts sehen wir das 2004 abgerissene Stellwerk. 202 646 und 202 781 der "Erzgebirgsbahn" waren hier in der zweiten Jahreshälfte 2002 Stammgäste (Oktober 2002).

Die gleiche Perspektive im Oktober 2010. Ab 2003 wurden alle Bw-Zufahrten gekappt. Das im Vordergrund sichtbare Gleis zum DB-Umspannwerk ist noch in Betrieb.
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