Hiermit soll ein fotografischer Rückblick auf die Vorortstation im Chemnitztal gegeben werden, insbesondere auf die letzten Betriebsjahre und den Rückbau.

Geschichtliches

Der 1902 mit der Eröffnung der Strecke Wechselburg Küchwald (WbC-Linie) in Betrieb genommene Bahnhof Glösa (offizielle Bezeichnung ab 1950 "Chemnitz-Glösa", 1953-90 "Karl-Marx-Stadt-Glösa") war Abzweigbahnhof für die Strecke zur Ladestelle Furth (WbCF-Linie). Diese dem Chemnitzfluss nach Süden folgende Stichbahn war eine reine Güterzugstrecke und ist heute Teil der Anschlussbahn des Heizkraftwerkes. Für eine Nebenbahnstation war der Bahnhof Glösa großzügig angelegt, was der reichlich im Tal vor der Großstadt angesiedelten Industrie Rechnung trug. Er verfügte über sechs lange durchgängige Gleise, drei davon mit Bahnsteig, 14 Weichen (11 fernbedient), Empfangsgebäude, Güterabfertigung, Ladestraße, Kopf- und Seitenladerampe mit Lademaß und später auch über einen Portalkran eines ansässigen Baustoffunternehmens. Das Empfangsgebäude erhielt, vermutlich in den 1960er Jahren, einen containerförmigen Stellwerksanbau. Die Einfahrten aus Wechselburg und Küchwald waren mit Hauptsignalen gesichert, Ausfahrsignale gab es nie. Der Bahnübergang Bornaer Straße war mit einer Vollschranke versehen.

Die Strecke nach Furth wurde später bis zum Elektrizitätswerk an der Müllerstraße verlängert. Ein weiterer Anschließer auf dieser Verbindung war der Webstuhlbau (Schönherr-Fabrik). Mit dem Bau des Heizkraftwerkes Chemnitz-Nord II ab den späten 1970er Jahren wurde der Güterbahnhof in Furth abgerissen und die Strecke in eine Anschlussbahn des Heizkraftwerkes umgewandelt. Das Streckenstück zwischen Webstuhlbau und Müllerstraße wurde mit der Schließung des E-Werkes ca. 1970 überflüssig. Ein weiterer Nutzer der Anschlussbahn war das Bauunternehmen Leonhardt & Sohn KG, aus dem die heutige RAILBETON HAAS KG hervorgegangen ist. Der Gleisbau- und Verkehrswegebau-Spezialist (u.a. Herstellung von Betonschwellen, Kabelkanaltrögen und Bahnsteigkantenfertigteilen) verfügt bis heute über ein Anschlussgleis, welches inzwischen allerdings nur sehr sporadisch genutzt wird (zuletzt am 01./02.10.2014). Zu DDR-Zeiten wurden auch die Fertigteile für Plattenbauten per Schiene abgefahren. Mit der Stilllegung des HKW Nord I im Jahr 1997 wurden auch zahlreiche Anschlussgleise entbehrlich. Heute ist noch das 1986 ans Netz gegangene HKW Nord II in Betrieb.

Der Verlauf ab 1990 ist, wie vielerorts, ein sukzessiver Niedergang des Schienenverkehrs. Am 23. Mai 1998 endete der Personenverkehr zwischen Chemnitz und Wechselburg. Mit der Einstellung des Übergabeverkehrs nach Mohsdorf und Markersdorf-Taura Ende 1999 verlor Glösa seine Funktion als Durchgangsbahnhof. Etwa ein Jahr später endete der Übergabeverkehr nach Glösa. Bis April 2004 wurden noch Ganzzüge mit Gips, Asche und Öl in Glösa abgefertigt, wozu der Bahnhof zeitweise besetzt war (im Regelfall dienstags und donnerstags). Anschließend wurde das Streckenstück nach Küchwald ebenfalls in eine Anschlussbahn umgewandelt und der Bahnhof damit nach 102 Jahren aufgegeben. Der zwischen 2005 und 2010 zum Erliegen gekommene Gipszugverkehr wird heute mit den beiden V60 der AHG auf der Anschlussbahn abgewickelt, die Züge wenden nun vor dem ehemaligen Bahnhof. Ein Anfang der 2000er errichtetes Tanklager in Furth sorgt gelegentlich für Öltransporte in Kesselganzzügen. (Das Heizöl wird bei Bedarf zur Betreibung von Block A des HKW genutzt.) Aufgrund der begrenzten Ausziehgleislänge an der Spitzkehre und der starken Steigung nach Küchwald werden die Züge in mehreren Teilen auf der Anschlussbahn bewegt (7-10 Wagen maximal).

Ein herzlicher Dank geht an Siegfried Bergelt/SBC und Daniel Wloka/DWK für die bereitgestellten Bilder!

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