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Abschied auf Raten

Bei keiner anderen Baureihe der modernen Traktion in dieser Größenordnung (stückzahlenmäßig) dürfte es einen so rigorosen "Ausrottungsprozess" gegeben haben. Ähnlich erging es seinerzeit höchstens der Ellokbaureihe 150 der ehemaligen Deutschen Bundesbahn. Der DB AG passte die zweimotorige Streckendiesellok aus Ost(block)produktion nicht mehr ins Konzept, auch die für teuer Geld 1992/93 völlig neu aufgebauten 229, die schon 2001 abgestellt worden sind. Waren im Jahr 2000 noch etwa 140 Maschinen (zzgl. den 20 229ern) im Unterhaltungsbestand, schrumpfte die Zahl bis Jahresbeginn 2003 etwa auf ein dutzend aktiver Maschinen, die sich auf die Werke Cottbus und Erfurt verteilten. Die abgestellten Maschinen aus Leipzig Süd, Halberstadt, und Gera/Erfurt wurden zumeist nach wenigen Wochen oder nur Tagen Abstellzeit zur Verschrottung nach Köln-Deutz oder Espenhain abgefahren. Wenige Maschinen wurden auch in den Werken vor Ort zerlegt, so 219 004 in Leipzig Süd und 219 006 in Gera. Im AW Chemnitz wartete Anfang 2003 noch eine Reihe von 219/229ern, welche schon länger abgestellt waren, auf ihr Schicksal.

Cottbus hatte mit Planwechsel zum 15.12.2002 seine letzten 219-Planleistungen zwischen Angermünde und Stettin/– Schwedt verloren. 219 043, 074 und 112 waren noch als eiserne Reserve vorhanden.

Auch das Werk Erfurt, welches erst am 01.07.2002 alle Geraer 219er zugeteilt bekam, hatte Anfang 2003 zunächst keine 219-Leistungen mehr. Vorgehalten wurden damals noch 219 029, 059, 084, 125, 139 und 159. Mehrere 612-Ausfälle führten dazu, dass für die 219 im Februar 2003 wieder ein zweitägiger Umlaufplan auf der Holzlandbahn Gera – Weimar – Erfurt (sowie ein abendliches Zugpaar Gera – Greiz) erstellt wurde. Die "Fans" pilgerten nun scharenweise nach Thüringen, bei bestem Winterwetter entstanden sicher viele schöne Aufnahmen.

Nachdem der o.g. Umlaufplan (zwei Plantage) im März offiziell wieder endete, war zumindest eine 219 weiterhin regelmäßig auf der Holzlandbahn anzutreffen, da die VT612 ebenso unzuverlässig liefen, wie einst ihre Vorgängerin zu Anfangszeiten. Das 219-Internetforum, betrieben vom Halberstädter Stefan Lorenz, war damals wichtigste Anlaufstelle, um Informationen über aktuelle Einsätze zu erhalten. Im Juni standen mit 219 029, 059, 084, 125 und 159 noch fünf Loks zur Verfügung. Die RE-Einsätze im Holzland gingen im August endgültig zu Ende. 219 084 wurde abgestellt. Die restlichen vier Loks bestritten bis Oktober/November 2003 noch einzelne Sonderleistungen, dann war endgültig Schluss – oder doch nicht?

Einen würdigen 219-Abschied veranstaltete auch DB Regio Erfurt zusammen mit dem TEV Weimar am 11./12.10.2003. Mit einer Parade aus teilweise schon ausgemusterten Loks wurde im Bw Weimar die 219 offiziell verabschiedet.

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