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Gehasst, geliebt, Kult! Kaum eine Lokbaureihe polarisiert so stark wie der aus Rumänien importierte sechsachsige Großdiesel mit den Bullaugen an den Seitenwänden. Unter anderem als Ablösung für die letzten Dampfloks der BR 95 im Thüringer Wald vorgesehen, hatte die Baureihe 119 bei den "Fans" sowieso schon einen schweren Stand. Der katastrophale Zustand bei der Inbetriebnahme war aber auch für die Personale ein Greuel. Erst durch die sukzessive "Germanisierung" der Loks, konnte eine halbwegs zuverlässige Maschine daraus werden, Ausfälle blieben aber weiter eher Regel als Ausnahme. Mit der Auslieferung von 119 200 endete 1985 nach gut acht Jahren die 119-Produktion. Zu diesem Zeitpunkt fielen die beiden Baumuster 119 001 und 002 schon dem Schneidbrenner zum Opfer. Nach der Wende konnten zahlreiche im RAW Chemnitz "auf dem Rand" stehende 119-Wracks nochmals einen zweiten Frühling erleben, denn Ersatzteile gab es nun in Hülle und Fülle. Allerdings währte der Höhenflug der seit 1992 als Baureihe 219 bezeichneten U-Boote nur noch ein Jahrzehnt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden schnellstmöglich alle Maschinen aus dem Verkehr gezogen. Eine Hand voll Loks überlebte bei DB-Töchtern oder als Museumsstück.

Geschichte

Aufgrund eines RGW-Beschlusses (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) durften Großdieselloks (mit mehr als 1500 PS Leistung) ab 1976 nicht mehr in der DDR produziert werden. Die Nachfolgerin der BR 118 musste deshalb zwangsläufig aus einem "Bruderland" importiert werden. Die (D)DR hätte mit den Erfahrungen aus der BR 118 sicher die bessere 119 bauen können...

Wichtige Kriterien bei der Konzeption waren die geringe Achslast (16 t) und die elektrische Zugheizung. Schließlich wurde die Bukarester Lokfabrik "23. August" mit der Produktion beauftragt. Einige Komponenten wurden aus anderen Ländern zugeliefert (z.B. die Strömungsgetriebe aus der DDR). Die Probleme bei der Inbetriebnahme gingen über "Kinderkrankheiten" hinaus. Nach und nach wurde ein Großteil der Technik umgebaut und "eingedeutscht", u.a. die Motoren und die Achsaufhängung. Aus Mangel an Ersatzteilen wurden einige Loks schon nach kurzer Einsatzzeit zu Ersatzteilspendern degradiert. Erst nach 1990 konnten die zum Teil jahrelang im RAW Chemnitz vor sich hin gammelnden Loks reaktiviert werden. Die Fahrzeuge erhielten ab 1988 nochmals neue Motoren, die jüngste 12 KVD-Variante (A5), verbunden mit nochmaliger Leistungssteigerung. Außerdem wurde ein Großteil der Loks ab 1994 mit Zeitmultiplexer Wendezugsteuerung (ZWS) und - sofern nicht schon vorhanden - Doppeltraktionssteuerung (ZDS) ausgerüstet. Die Aufteilung der DB AG in Geschäftsbereiche brachte ab 1998 die Zuordnung zu DB Regio und damit den (fast vollständigen) Wegfall von Güterzugleistungen. Durch den harten Wendezugdienst mit "ständigem Auf und Ab zwischen Leerlauf und Höchstdrehzahl" stiegen die Ausfälle wieder an, Motorbrände waren keine Seltenheit. Ab 2000 schrumpften die Einsatzgebiete durch Triebwagenbeschaffung und Streckenstilllegungen rapide. Die letzten Hauptuntersuchungen an 219ern wurden im Sommer 2000 im Werk Chemnitz ausgeführt. Ab 2002 begann die organisierte Verschrottung in Köln, Espenhain und Chemnitz.

Baureihe 229

Zwanzig Maschinen wurden ab 1992 bei Krupp in Essen besonders aufwändig modernisiert. Sie erhielten leistungsstärkere Motoren (MTU) und die Höchstgeschwindigkeit konnte von 120 auf 140 km/h gesteigert werden. Die Loks wurden zunächst im InterCity-Verkehr von Berlin (Bw Pankow) aus eingesetzt. Bis 1995 waren die gröbsten "Fahrdrahtlücken" im Fernverkehrsnetz geschlossen, sodass die Maschinen nach Erfurt umstationiert wurden. Hier gab es nun überwiegend Nahverkehrsaufgaben und einzelne Interregio-Leistungen zu bespannen. 2000-2001 wurden alle 229 nach nicht einmal einem Jahrzehnt Einsatzzeit abgestellt. Einzelne Maschinen fanden im Güter- und Bauzugdienst bei DB-Tochterunternehmen ein neues Aufgabengebiet. Ein Verkauf an private Eisenbahnverkehrsunternehmen war damals verpönt und so wanderten die teuren Loks großteils in den Schrott.

Prototyp 219 158

1999 bis 2001 entwickelte das DB Cargo Werk Chemnitz eine nochmals völlig modernisierte Variante der Baureihe 219 mit u.a. modernen Führerständen, Caterpillar-Dieselmotoren (je 1500 kW) und Fahrgastinformationssystem (digitale Zugzielanzeige). Der Umbau erfolgte an der Unfalllok 219 158. Als die Lok ihre ersten Probefahrten absolvierte war aber schon klar, dass den sechsachsigen Großdieselloks kein dritter Frühling mehr vergönnt sein würde. DB Regio zog die Beschaffung neuer Triebwagen vor. 219 158 wechselte, abgesehen von Probefahrten, ohne einen regulären Einsatz in den Bestand des DB Museums Nürnberg und erhielt 2003 eine Lackierung im DR-Farbschema (Auslieferungszustand mit schwarzem Rahmen). Immerhin ist "Goliath" auch im Jahr 2015 noch vor Sonderzügen im Einsatz.

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